Wer quietscht, schnalzt, trommelt, murmelt und trifft dabei immer den richtigen Ton? Der Sänger Bobby McFerrin hat beim „a cappella“-Festival in Leipzig gezeigt, dass Musik für ihn die schönste Sprache der Welt ist.

Online MagazinIn Jeanshose und Turnschuhen sitzt der Afroamerikaner im Scheinwerferlicht des Leipziger Gewandhauses. Wo sonst die Instrumente des weltweit bekannten Gewandhausorchesters erklingen, erfüllt heute seine Stimme den Saal. Die Bühne teilt er mit dem kolumbianischen Perkussionist Tupac Mantilla und dem Leipziger Mädchen-Ensemble Sjaella.

Für Bobby McFerrin ist ein wiederholtes Stück Musik Vergangenheit. Darum ist jedes seiner Konzerte einzigartig. An diesem Dienstag ist er albern und dirigiert seine Begleiter wortlos, aber lächelnd. Blues, Scat, afrikanischer Gesang, Geige, Trompete, Kontrabass liegen in seiner Stimme. Das Publikum lauscht neugierig seinen Wechseln zwischen hohen, sanften Tönen in der Kopfstimme und dicken Basslinientupfern.

Die Sjaella-Sängerinnen Helene, Lotte, Viola, Marie, Feli und Franzi verleihen seinen Klängen eine Seele. Seit etwa zehn Jahren proben die Mädchen gemeinsam, aber Bobby McFerrin haben sie gerade einmal 20 Minuten vor dem Auftritt kennengelernt. „Für uns geht hier gerade ein Kindheitstraum in Erfüllung“, sagt eine Sängerin des Ensembles mit einem Augenzwinkern.

Bobby McFerrin verwickelt die 20-jährigen Mädels in eine witzige Sprachwirrwarr-Geräusche-Impro, wilde Tierlaute und Quietschgeräusche. Das Publikum lacht – und die Künstler auch. Der Grund dafür, dass sie zu Kindern geworden sind, ist der Perkussionist Tupac Mantilla. Er ist mit vollem Körpereinsatz dabei, nutzt ihn als Instrument. Die Herausforderung mit einem der besten Jazz- und Klassik-Musiker zusammenzuarbeiten, treibt Tupac Mantilla an. Im Solo und im Duell mit Bobby McFerrin blüht der Kolumbianer auf.

Auch Sjaella bekommen ihr Solo: Mit „O du stille Zeit“ sind sie für den „a cappella“-Wettbewerb nominiert. Das Publikum hat Gänsehaut.

Das ist keine One-Man-Show. 45 Minuten pure Musik, erst dann spricht Bobby McFerrin die ersten Worte. Das Publikum wird nun wie immer ein Teil seiner Show. Zuschauerin Sabine kommt auf die Bühne und möchte ein tschechisches Volkslied singen. Ein Liebeslied, sagt sie. Hinterher ruft Bobby McFerrin lachend: „Musik ist so wundervoll!“

Aber ganz ohne Instrument geht es nicht. Tupac Mantilla trommelt und dazu holt Bobby McFerrin eine bildhübsche Afrikanerin auf die Bühne, die zu den Klängen tanzt. Keiner im Saal kann mehr still sitzen.

Nach 1,5 Stunden beendet Bobby McFerrin das Konzert mit „Somewhere Over The Rainbow“. Und wieder schafft er es, zu überraschen. Zehn Minuten Applaus sind ihm sicher und dann kommt die erste Zugabe: „Noch Fragen?“, sagt er und streicht sich grinsend über den grau-schwarzen Bart. Das Publikum will’s wissen: Lieblingsmusik, Vorbilder, sein Lebenstraum?

Bobby McFerrin verabschiedet sich dankbar mit den Worten: „Je besser ihr auf euch selbst achtet, desto besser tut ihr auch der Gesellschaft. Seid gerecht und verlasst den Saal verwandelt. Genießt bewusster und lebt!“

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Autorin | Sarah Thust

Letzte Aktualisierung | 14.05.2014

Medium | Musik-heute.de

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