Paris. Die Schienen quietschen, Menschenmassen drängen rücksichtslos durch die graue Untergrundwelt, in dunklen Ecken lungern Obdachlose und Heroin-Drücker. Willkommen in Paris! 106 Stunden bleiben mir für meine Recherche in Frankreichs Hauptstadt, mindestens 24 Stunden davon schaue ich in der U-Bahn Straßenmusikanten, Trickdieben und Zeitungslesern auf die Finger. Warum sich der Stress gelohnt hat…

Blog Sarah ThustSieben Uhr morgens, nach acht Stunden Busfahrt kämpfen wir uns mit je zehn Kilo Reisegepäck durch das Pariser U-Bahn-Netz. Kalter Herbstwind bläst feinen Regen in unsere Gesichter. Erschöpft schleppen wir uns in ein Café an der Pariser Oper und beraten. Wo schlafen? Was tun? Wohin mit dem Gepäck?

Paris ist keine Stadt für Anfänger. Kein Freund, Couchsurfer oder Fremder hat hier Mitgefühl für zwei engagierte Reisende. So scheint es zumindest bis mein Telefon klingelt.

Ein Freund erlaubt uns das Gepäck in seiner Wohnung am Montmartre unterzubringen, für eine Dusche bleibt jedoch keine Zeit. Die Recherche muss beginnen. Dennoch reicht es für einen Moment der Entzückung: Der weiße Kalkstein des Sacré Coeur strahlt in der Herbstsonne. Touristen strömen die Treppen hinauf und herab. Musiker, Straßenverkäufer und Künstler aus allen Ländern verdienen hier ihren Lebensunterhalt. Noch wissen wir nicht: In ganz Paris werden wir die betörenden Rufe der Sirene am Montmartre hören. Mit Geschichten wird sie uns locken – weg von dem Geplanten und hinein ins Unbekannte.

Aufatmen. Um 23 Uhr abends finden wir endlich eine Unterkunft – wieder eine Freundin. Heimatlos werden wir Tag für Tag durch die Stadt ziehen, umziehen, Gepäck umlagern und zwischendrin die nötigen Interviews und Fotos machen.

Buchveröffentlichung

Auf unseren Wegen begegnen wir Schriftstellern, Grafikern, Studenten und solchen, die sich treiben lassen. Sie alle lehren uns die gleiche Lektion: Wer Paris aushalten will, der ist auf Unterstützung angewiesen. Wohnungsnot, steigende Preise und Vorurteile erschweren fast jedem hier das Leben. Und: Sie alle sind dankbar, dass wir ihnen zuhören.

„Frankreich wie wir es sehen“

Erschienen im Drachenmond-Verlag
(26. Mai 2014)

16 Einheimische, Zugewanderte und Reisende erzählen von ihrer »Grande Nation«

Preis: EUR 14,90. Hier klicken und bestellen: