Das Osterfest mit der Familie verläuft selten harmonisch. Doch wir nehmen das in Kauf, weil wir uns mit diesen Menschen verbunden fühlen. Gleiches geschieht beim kambodschanischen Neujahrsfest. Mehrere Familien kommen für drei Tage zusammen und feiern in ihrem Heimatdorf in das Jahr des Pferdes (von 14. April 2014 bis 13. April 2015) hinein. 

Blog Sarah ThustIn Berlin hat ein kambodschanisches Festkomitee die Familien in das Nachbarschaftshaus Urbanstraße eingeladen, um das neue Jahr zu mit gutem Essen, Tanz und religiösen Zeremonien zu begrüßen. Aber abseits der Bühne und des Buffets wurde auch heiß über Politik diskutiert.

Der Nachwuchs hat von diesen Diskussionen genug, die zwischen manche Familien einen Keil getrieben haben. Einige Jugendliche fühlen sich entwurzelt, weil sie kein Khmer sprechen und nur wenig über die Geschichte und Traditionen Kambodschas wissen. Beim Choul Chhnam Khmae haben sie den Älteren gezeigt: Wir wollen wieder enger zusammenrücken.


Bild Zeremonie zum kambodschanischen Neujahrsfest © sat mobile

Kambodschas Tradition ist farbenfroh. Durch den Festraum eilen Männer mit karierten Kramas, ein traditioneller Baumwollschal, und diskutieren über die Dekoration. In der Küche nebenan bereiten Frauen in bunten Seidenröcken das mitgebrachte Essen vor, während zwei Möche in orangefarbenen Gewändern ihre Ehrenplätze einnehmen.

Ich grinse, denn hier bin ich in Kambodscha gelandet – mitten in Berlin. Der strenge Geruch der traditionelle Fischpaste Prahok zieht mir in die Nase, Kinder spielen, und immer wieder summt einer seine Lieblingsmelodie.

Ich kenne hier nur einen von den etwa 100 Khmer, die in der Hauptstadt leben. Der 63-jährige Bunsong Mam engagiert sich für das Festkomitee, das die eingewanderten Khmer wieder näher zusammenbringen will.

Vor zwei Jahren erklärte er mir in einem Interview wie sehr sich ihre Biografien unterscheiden. Da gab es die ehrgeizigen Schüler, die ihr krisengeschütteltes Land vor 1979 für eine Ausbildung in Deutschland verließen.

Darauf folgte eine Generation, die von der DDR zu guten Sozialisten erzogen werden sollten. Und es gab die Flüchtlinge, die sich vor den Khmer-Rouge-Soldaten retten konnten. „Wir kennen uns, aber wir treffen uns nur ganz selten. Wir haben einfach nichts gemeinsam, streiten uns über Politik“, sagte Bunsong Mam damals.

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Khmer Neujahr am Strand in Sihanoukville (Foto: Jim Davidson, CC BY-NC-ND 2.0)

Doch nach diesem kambodschanischen Neujahrsfest ist klar: Glaube und Tradition sind wichtiger. Monatelang haben einige der in Deutschland Geborenen traditionelle Tänze einstudiert und Spiele geplant. Die Feier zieht fast doppelt so viele Gäste wie erwartet in das Nachbarschaftshaus Urbanstraße.