Mat Phon ist 78 Jahre alt. Und diese 78 Jahre hat er am Fuß des Phnom Kulen, des heiligen Berges Kambodschas verbracht. Mat Phon hat immer vom Wald gelebt.  Deshalb weiß er genau, was sich in den letzten Jahren verändert hat.

„Das Wetter hat sich geändert. Es ist sehr viel heißer als früher. Jetzt müsste es eigentlich kühler sein.“ 

Und Mat Phon, der zu den Khmer Angkor gehört, der Urbevölkerung Kambodschas, kennt auch die Ursache für die immer häufiger werdenden Hitzewellen. Der Wald um Phnom Kulen ist weg, nur auf dem Hügel selber stehen noch die alten Regenwaldriesen, weil es dort zu umständlich und teuer ist, sie abzuholzen:

„Früher waren hier überall riesige Bäume, das hat das Wetter hier viel angenehmer und gesünder gemacht.  Jetzt ist der ganze Regenwald weg.“

Nicht weit von Mat Phon entfernt sitzt Jea Di auf dem Boden, sein 60-jähriger, sehr viel jünger aussehender Sohn und schleift Messer:

„Wir bauen hier in der Nähe, einen Kilometer entfernt, Reis an. Ein Jahr lang nutzen wir das Feld. Der Boden ist hier sehr viel schlechter geworden.“

Die Khmer Angkor ziehen seit vielen Generationen durch die Wälder, legen ihre Felder an, und wenn der Boden ausgelaugt ist, ziehen sie weiter. Auch die Khmer Angkor fällen Bäume, aber nicht sie sind es, die dafür gesorgt haben, dass rund um Phnom Kulen, ganz nah an Angkor Wat, vom Regenwald nur noch traurige, häufig nicht einmal miteinander verbundene Reste über sind.

Nin Chan Samean leitet Apsara, die Denkmalbehörde in Siem Reap, die für Angkor Wat verantwortlich ist, aber auch für den Wald rundherum. Er weiß, dass es da ein Problem gibt. Und er spricht sogar darüber:

„Es gibt ja schon die Empfehlung an die Regierung, den Regenwald gerade in Phnom Kulen zu schützen, von dem nicht mehr viel da ist. Sonst nämlich kann das Wasser auch die alten Tempel von Angkor Wat gefährden. Für das Abholzen sind die Dorfbewohner mit ihrer Brandrodung verantwortlich, aber auch einige Geschäftemacher.“

Sagt der staatliche Angestellte. Mehr kann er nicht sagen. Denn die, die da nahezu industriell abholzen, sind häufig eng mit dem Militär verbunden, Soldaten bewachen gerne einmal einen nächtlichen  Kettensägeneinsatz.

Einer, der qua Amt kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Son Chhay. Mitglied der kleinen, liberalen oppositionellen Sam Rainsy (Som Rangsee) Partei. Er sitzt in seinem Abgeordnetenbüro auf dem Gelände der Nationalversammlung in Phom Penh und empört sich über den Ausverkauf des natürlichen Reichtums seines Landes:

„Die Regierung verkauft unseren Wald, lässt die Bäume abholzen, unsere Umwelt ändert sich so schnell dramatisch, das kann man überall sehen. Die Menschen in Kambodscha sind nicht sehr gebildet, aber sie bemerken langsam, was da passiert und sie beginnen, sich zu wehren. Aber sie können natürlich kaum etwas tun, um den Wald zu schützen.“

Aber andere können vielleicht etwas tun. Die UNESCO beispielsweise, die Kultur- und Wissenschaftsorganisation der Vereinten Nationen will etwas tun. Sie will neben Angkor Wat auch Phnom Kulen, den heiligen Berg ganz in der Nähe auf die Liste des Weltkulturerbes setzen. Das hat jetzt Anne Lemaistre, die Leiterin der UNESCO in Kambodscha angekündigt. Archäologisch gesehen sei Phnom Kulen der Ursprung von Angkor. Diese Ankündigung erhöht die Möglichkeit, Druck auf die Regierung auszuüben und damit die letzten Reste des Regenwaldes zu schützen.

Das Problem der illegalen Abholzung des Regenwaldes ist allerdings nicht auf das Gebiet rund um Phnom Kulen beschränkt. Es ist ein Problem in ganz Kambodscha. Zwanzig Prozent des Waldes, sagen Forstexperten, sind in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden, das sind 13 Millionen Hektar Regenwald, die unwiederbringlich weg sind. Kaspar, Slowene, ist seit zwei Jahren als Ranger für die Umweltorganisation Wildlife Alliance unterwegs:

„Wir sind für ein Gebiet von 700.000 Hektar Regenwald in der Nähe der thailändischen Grenze verantwortlich mit sechs Ranger-Stationen. Wir arbeiten mit der Militärpolizei zusammen, die illegales Abholzen auch mit Waffengewalt stoppen kann und auch mit der Forstverwaltung, die für Landrechte, für Besitzansprüche der Anwohner zuständig ist, die sich gegen die Abholzung wehren.“

Trotzdem beschleunigt sich das Tempo der Abholzung bisher. Hang Sobratsavyouth arbeitet als eine Art Waldreporter für  Radio Free Asia, das heißt, er macht sich auf die Suche nach den Verursachern:

„Eine Firma, die sehr viel in Kambodscha abholzt, ist in den Händen des Militärs, sie haben bewaffnete Sicherheitsleute und vor allem ganz enge Beziehungen in die Spitze der Regierung.“

Genauer kann Hang es nicht sagen, will er sich nicht selber gefährden.

Thiu Thiu arbeitet auf dem Bau, außerhalb von Siem Reap, vielleicht auf der Mitte der Strecke zwischen Angkor Wat und Phnom Kulen. Er sorgt mit seinen Händen dafür, dass ein weiteres großes Touristenressort entsteht, in dem viel schickes Tropenholz die Gänge zieren wird.

Nicht weit von der Baustelle entfernt lebt Thiu Thiu mit seiner Frau und seinem kleinem Sohn in einem armseligen Haus am Straßenrand, das er sich von seinen 5 Dollar Tageslohn gerade so leisten kann.

„Der Tourismus ist gut für uns, das gibt uns Arbeit, aber der Wald ist natürlich noch wichtiger, der gibt uns Schutz.“

Vier Millionen Touristen haben Kambodscha im vergangenen Jahr besucht, fast alle kamen vor allem nach Siem Reap und Angkor Wat, dem Hauptanziehungspunkt des Landes. Diese Touristen wollen auch Regenwald sehen, die Natur erleben. Vielleicht ist das ein Argument, dass den Wald am Ende retten hilft.

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[button label=“Bericht bei Deutschlandfunk“ link=“https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-regierung-verkauft-unseren-wald.979.de.html?dram:article_id‹´›248794″ target=“_blank“ color=““ __fw_editor_shortcodes_id=“9e4a814c46bbf52ecf5f827390b0d3b2″ _fw_coder=“aggressive“][/button][divider style=“{‹²›ruler_type‹²›:‹²›space‹²›,‹²›space‹²›:{‹²›height‹²›:‹²›20‹²›}}“ __fw_editor_shortcodes_id=“4091fed596cb55e07a6cf3a651426810″ _array_keys=“{‹²›style‹²›:‹²›style‹²›}“ _fw_coder=“aggressive“][/divider]

Autoren | Udo Schmidt, weitere Berichterstattung von Sarah Thust

Letzte Aktualisierung | 03.06.2013

Medium | Deutschlandfunk

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