Wenn ich die Augen schließe, das Meeresrauschen im Ohr, sehe ich die weiten Sandstrände und Dünen der Ostsee. Dünen, sie fehlen mir in Kambodscha. Das Land hat einige schneeweiße Strände zu bieten, doch mit denen Thailands können sie sich nicht messen. Zudem hat sich die Regierung für den Ausverkauf der Paradiese entschieden. Ein Blick in die Touristenstadt Sihanoukville… 

Blog Sarah ThustMit dem Tuk Tuk fahre ich stadtauswärts, weg von den Touristenstränden Serendipity und Occheuteal. Es ist Regensaison, Nebensaison. Dennoch sieht man den Unterschied zwischen Massentourismus und Erholungstourismus sofort. Hinter Serendipity liegt der beliebte Insider-Tipp Otres Beach. Wer hierher kommt, der trifft kaum auf Sextouristen, Schmuckverkäufer und Masseurinnen. Hier finden Besucher kleine, bescheidene Holzhütten und ausgezeichnete lokale Küche. Nicht nur in der Nebensaison ist es hier es ruhiger und natürlicher.

Ich steige aus dem Tuk Tuk aus und laufe an den Strand. Die Gewitterwolken peitschen den Golf von Thailand auf. Während die Wellen ihre Kraft am Strand verbrauchen, zieht die offene See das Wasser magnetisch zurück. Die wenigen Strahlen der tief stehenden Sonne glasieren die Wogen mit einer Wachsschicht. Dahinter reihen sich Palmen, Tannen, Holzhütten mit Strohdächern, Kuh- und Büffelweiden. Dass die Grundstücke bereits seit Jahrzehnten existieren, erkennt man an den verwitterten Steinzäunen.

Bild Ein Wasserbüffel grast am Strand Otres in Sihanoukville. Der natürliche Strand vor ihm wird derzeit für den Massentourismus einbetoniert © sat

Ich will mehr über die Zukunft der Grundstücke am romantischen Otres Strand in Sihanoukville herausfinden. Plötzlich liegen neben mir keine Gebäude mehr. Zehn Minuten laufe ich an einer öden Landschaft mit Baggern, Kühen, Betonröhren und halb fertig gepflasterten Pfaden entlang. Unter der Woche wird es hier nicht sehr entspannend sein. „Wer plant das?“, frage ich mich.

Die Besitzerin des nächsten Guesthouses wird mir das beantworten. „Wir wurden rausgeschmissen, unser erstes Guesthouse mussten wir dafür abgeben“, sagt die Kambodschanerin. Eine Entschädigung gab’s nicht, aber eine Grundstücksurkunde hatten sie auch nicht, um dagegen zu protestieren. Schon vorher war klar, dass die behördlichen Papiere nicht lange weilen, da der Strand offiziell der Regierung gehört und das Land theoretisch nicht zu verkaufen ist. Vor zwei Jahren hat sie mit ihrem europäischen Ehemann dann das neue, abgelegenere Grundstück gekauft. Ihre Bungalows können sie nur in der Trockenzeit vermieten, weil sie nicht zuverlässig gegen den Regen abschirmen.

Dennoch scheint es eine der besten Unterkünfte des Strandes zu sein, ich werde es als Geheimtipp behalten. Die Bungalows am Meer bieten einen Gänsehaut-Blick auf den Sonnenuntergang, das Menü ist lokal und die Angestellten sind herzlich. Den Namen werde ich an dieser Stelle nicht nennen, da ich ihr keine Probleme mit dem örtlichen Gouverneur bereiten möchte.

Bild Diese Betonröhren sind nur ein Indikator für die Dimensionen der Baupläne © sat

Einen Grund für die Zwangsräumung hat man ihr nicht verraten. Laut Medienberichten soll ein Garten angelegt werden. Die Nachbarn erzählen sich aber, dass der Strandabschnitt zu einem neuen Massenstrand umgebaut werden soll. „Ein Restaurant in der Mitte und drum herum die Gästezimmer. Alles wird gleich aussehen und überall wird Müll rumliegen“, sagt sie entmutigt. „Ich weiß nicht wie lange wir hier noch bleiben dürfen.“

Konstruktionen sieht man auf der Baustellenwüste noch nicht. Es ist aber offensichtlich, dass die Strandpromenade nicht breiter als fünf Meter sein wird. Eine neue Hotelwüste wäre nur eines von vielen Beispielen dafür, dass sich die kambodschanische Regierung zum Ausverkauf der Ressourcen des Landes entschieden hat.

Feuerwerk Kambodscha Sihanoukville


* Anmerkung der Autorin: Leider musste ich nach meiner Rückkehr erfahren, dass 50 Fischerfamilien in Sihanoukville am Samstag ihre Häuser bei einem Brand verloren. Sieben Menschen wurden ernsthaft verletzt bei dem Feuer in dem schwimmenden Dorf, das durch die Explosion einer Gasflasche ausgelöst wurde.